{"title":"Teilweise krude, teilweise sperrig, insgesamt aber cool: Privilege Entails Responsibility von Noblesse Oblige","slug":"noblesse-oblige-privilege-entails-responsibility-review","url":"https://www.romanjasiek.de/noblesse-oblige-privilege-entails-responsibility-review/","published_at":"2009-09-25T16:05:00.000Z","updated_at":"2026-10-12T16:07:09.000Z","excerpt":"Schnauze voll davon, dass die Musik unserer Tage – aller Affinität für das Alternative zum Trotz – scheinbar auf höchstmögliche Massenkompatibilität getrimmt wird? Und dass der Underground-Charakter im musikalischen Teil der Schwarzen Szene immer mehr dem Mainstream weicht? Der eigenen CD-Sammlung fehlt momentan irgendwie eine die Spannung erhaltende Würze? Wie wäre es denn dann mit der Wiederveröffentlichung von Privilege Entails Responsibility der englischen Kombination Noblesse Oblige? Dank R","meta_description":null,"html":"<p>Schnauze voll davon, dass die Musik unserer Tage – aller Affinität für das Alternative zum Trotz – scheinbar auf höchstmögliche Massenkompatibilität getrimmt wird? Und dass der Underground-Charakter im musikalischen Teil der Schwarzen Szene immer mehr dem Mainstream weicht? Der eigenen CD-Sammlung fehlt momentan irgendwie eine die Spannung erhaltende Würze? Wie wäre es denn dann mit der Wiederveröffentlichung von <strong>Privilege Entails Responsibility</strong> der englischen Kombination <strong>Noblesse Oblige</strong>? Dank <strong>RepoRecords</strong> ist das alternative Würzmittel nämlich wieder erhältlich.</p><p><strong>Privilege Entails Responsibility</strong> wurde bereits 2006 veröffentlicht – allerdings nur in <strong>England</strong>. Dort wurde relativ fix einiges an Kult um das Werk des höchst eigenwilligen Duos betrieben, was zur Folge hat, dass das Debüt inzwischen läääängst vergriffen ist. Nun ja, besser gesagt: war. Denn 300 Konzerte in 4 Jahren, ein zweites Album auf dem Markt und ein drittes für 2010 in der Pipeline, haben sich <strong>Noblesse Oblige</strong> eine stetig wachsende Fangemeinde erspielt, sodass das bemerkenswerte Debüt der Indie/Elektro-Formation nun noch einmal für die internationale Veröffentlichung aufgelegt wurde.</p><p>Und wie eingangs schon erwähnt, glänzt <strong>Privilege Entails Responsibility</strong> durch gefällige Andersartigkeit. Schubladen sind etwas für andere, nicht aber für <strong>Noblesse Oblige</strong>. So verweigert sich das Album dann auch konsequent einer klaren Kategorisierung, da sich <strong>Valerie Renay</strong> und <strong>Sebastian Lee Philipp</strong> fröhlich durch viele Richtungen und Genres wuseln und sie zu einem neuen und frischen, wenn auch manchmal sperrigen Sound vereinen. Da gibt es durch die verwendeten Streicher klassisch anmutendes, elektro-stampfiges Instrumental-Liedgut (<strong>Caligula</strong>), französische Chansons (<strong>Quel Genre de Garcon</strong>), clubtauglichen Electro-Punk (<strong>Bitch</strong>) und so vieles mehr! Mal singen sie auf <strong>Englisch</strong>, dann wieder auf <strong>Deutsch</strong> oder <strong>Französisch</strong>. Mal sind die Songs extrem sparsam instrumentiert (weniger als eine Bassgitarre zur Liedgestaltung kann man wohl nicht benutzen, wenn man nicht gänzlich a cappella singen möchte (<strong>Night Train To Krakow</strong>), dann wiederum wird höchst dramatisch <strong>Eric Burdon</strong> gecovert (<strong>When I Was Young</strong>).</p><p><strong>Noblesse Oblige</strong> haben ein ganz eigenes Kunstverständnis, was sich auch in den manchmal lasziven, manchmal provokanten Texten widerspiegelt. Als Beispiel sei hier <strong>Fashion Fascism</strong> genannt, in welches das Duo ein <strong>Hitler-Sample</strong> eingestreut hat. Darüber ließe sich streiten. Aber das kann man bei dem Thema, was Kunst darf und soll, sowieso immer vorzüglich. Oder das höchst zynische <strong>Offensive Nonsense</strong>, das seinen Titel sehr zu Recht trägt. Oder auch <strong>Daddy (Don’t Touch Me There)</strong>, das Ihr Euch bitte selbst anhört und interpretiert.</p><p>Der Re-Release von <strong>Privilege Entails Responsibility</strong> wurde um 10 Tracks (!) erweitert, darunter zwei Cover-Versionen des bereits erwähnten <strong>Eric Burdon</strong> sowie acht Remixe (unter anderem von <strong>Mona Mur</strong> und <strong>En Esch</strong> oder <strong>Laurent Ho</strong>) und ist als MP3-Download erhältlich sowie als limitierte CD mit neuem Artwork, Booklet und einem Poster.</p><p>Um auf die anfängliche Frage zurückzukommen: Wenn Euch das ganze, momentan erhältliche, hochglanzpolierte Liedgut auf den Zeiger geht und Ihr Euch kurzerhand, Geschmacksmenschen wie Ihr nun mal seid, mit alternativer Musik innerhalb einer ursprünglich alternativen Szene befassen wollt, dann ist der Re-Release des <strong>Noblesse-Oblige-Debüts</strong> möglicherweise genau Euer Ding. Auch drei Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung haben die Songs, die quasi wie ungeschliffene Diamanten aus einem Haufen Geröll herausragen, nichts von ihrer Faszination verloren. Teilweise sperriges, krudes Zeug. Aber irgendwie cool.</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/noblesseoblige-privilege-1.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"1215\" height=\"1200\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/10/noblesseoblige-privilege-1.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/10/noblesseoblige-privilege-1.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/noblesseoblige-privilege-1.jpg 1215w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© RepoRecords</span></figcaption></figure>","tags":["Musik"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/10/noblesseoblige-privilege.jpg","archived_at":"2026-10-12T16:26:05.456Z"}